„Schon immer leidenschaftlich“ - zum Konzert von Vivo Brass 

Mit Vivo Brass bietet der Kulturring dem Wunstorfer Publikum eine junge Bläserformation, die am Anfang ihrer Karriere steht. Der Name ist Programm: Das international besetzte Quintett lebt Musik mit Blasinstrumenten aus Messing. Mit dabei ist der 22-jährige Justin Haarstick aus Großenheidorn. Auepost-Autor Malte Süß hatte Gelegenheit, ihm einige Fragen zu stellen.

Wunstorf (red). 

 

2021 gründeten Musikstudentinnen und Musikstudenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover das Quintett und setzten damit ihre Motivation in die Tat um, mit Freunden auf hohem Niveau zu musizieren.

Dorothea Tatalidis, 2001 in Athen geboren, setzte nach ihrem Umzug nach Luxemburg ihre Studien am Konservatorium der Stadt Luxemburg fort, studiert jetzt Trompete bei Jeroen Berwaerts in Hannover. Sie hat mehrfach den Wettbewerb für junge Solisten gewonnen. Sie wirkt unter anderem im Europäischen Jugendblasorchester mit. Konstantin Kösling, ebenfalls 2001 geboren, ist Hornist und spielt unter anderem im Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester und im Landesjugendorchester Bremen. Er mehrfach Bundespreise bei Jugend musiziert gewonnen.

 

Elai Grisaru Drori ist 23 Jahre alt und stammt aus Haifa. Er ist mit der Militärkapelle Israels und mit dem israelischen Kammerorchester als Solist aufgetreten. Seit 2021 studiert er in Hannover und ist seit der Spielzeit 2023/2024 neuer Solo-Posaunist im Sinfonieorchester Wuppertal. Thomas Förster, Jahrgang 2001, begann seine musikalische Ausbildung in der Bläserklasse des Käthe- Kollwitz-Gymnasiums Neustadt an der Weinstraße. Er ist u. a. Mitglied der Landesjugendorchesters Rheinland-Pfalz und Bremen sowie des NDR-Jugendsinfonieorchesters.

 

Justin Haarstick begann beim Posaunenchor Großenheidorn mit Einzelunterricht bei Chorleiter Jörg Nickel mit dem Trompetespielen. Mit 14 Jahren wurde er das erste Mal Preisträger bei Jugend musiziert auf Landesebene und mit jeweils 16 und 17 Jahren auf Bundesebene. Von 2017 bis 2020 war er Teil des Instituts zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) der Hochschule Hannover. 2019 hat er seine Chorleiterprüfung abgeschlossen und leitet seit Anfang 2020 den Posaunenchor Kolenfeld. Seit Oktober 2021 studiert er Trompete in Hannover und hat einen Zeitvertrag bei der Nordwestdeutschen Philharmonie.

 

Auepost: Ist Musik die größte Kunst?

Haarstick: Ich denke, das ist ziemlich subjektiv. Natürlich ist es für mich persönlich die Größte, einfach wegen ihrer Ausdrucksstärke, Emotionalität und Intensität. Es ist etwas ganz besonderes,

Musik zu machen und bestimmte Werke spielen zu können, für mich vor allem im Orchester. Das Schönste, was ich bisher erleben durfte, war wahrscheinlich die, die Mahler-Sinfonien mit der Nordwestdeutschen Philharmonie zu spielen. Man kann es gar nicht so richtig beschreiben, wie es sich anfühlt, mitten im Geschehen zu sitzen. Es ist auch ein ganz anderes Gefühl, es selbst zu spielen, statt es sich anzuhören. Beides aber unbezahlbar. Zudem ist Musik einfach auch eine Sprache, die jeder versteht.

 

Deine Anfänge waren beim Posaunenchor Großenheidorn. Wie war das?

Ich habe nicht direkt in der Gruppe angefangen, sondern mit Einzelunterricht bei unserem Chorleiter, weil ich im Jahr zwischen den zweijährigen Jungbläserausbildungen anfangen wollte. Letztendlich tat mir das natürlich sehr gut, weil ich nicht teil einer größeren Gruppe war. Später dann bin ich zum Chor gestoßen, erinner mich aber nicht mehr an allzu viel im Detail. Es war aber auf jeden Fall immer etwas sehr schönes, da es ja auch im Dorf war und man sich ohnehin kannte. Ich soll wohl schon immer - bis manchmal zu leidenschaftlich - dabei gewesen sein.

 

Wann hast du gemerkt, dass Trompete dein Instrument ist?

Das müsste von Anfang an so gewesen sein. Ich hatte nie ernsthaftes Interesse an einem anderen Instrument, wollte schon immer nur Trompete spielen. Durch die richtigen Leute und „Aktionen“ ist es im Laufe der Zeit glücklicherweise vor zwei Jahren zum Studium gekommen.

 

Wie hast du deine Kollegen von „Vivo Brass“ kennengelernt?

Wegen der vielen Workshops mit Harmonic Brass zusammen mit dem Posaunenchor Steinhuder- Meer/Großenheidorn liebte ich Quintettmusik schon immer. Zu Beginn des Studiums wollte ich unbedingt eins gründen, und so haben wir uns an der Hochschule gefunden. Wir sind alle ein Semester, nur Thomas, unser Tubist, hat ein Jahr vor uns angefangen.

 

Trotz der Auszeichnungen scheint ihr auf dem Boden geblieben. Du zum Beispiel leitest den Posaunenchor in Kolenfeld. Warum ist dir das wichtig?

Naja, das ist im Prinzip ganz simpel. Man strebt immer etwas Höheres an, als das, wo man gerade ist. Preise oder Errungenschaften sind meist für den Moment etwas sehr schönes, aber danach denkt man immer weiter und möchte mehr. Musiker sind schwer zufrieden zu stellen, zumindest die meisten würde ich behaupten. Vielleicht ist das hier und da auch mal eher eine Schwäche von uns. Und letztendlich sind wir gerade mal mitten im im Bachelorstudium, da liegt noch alles vor uns, und man hat kaum Grund, abzuheben.

 

Welchen Stellenwert hat die Kunst in der Gesellschaft?

Puh, das ist eine schwierige Frage. Im Endeffekt ist es unsere Aufgabe, die Menschen in die Konzertsäle zu locken, denn ohne sie sind wir nichts. Es fühlt sich teilweise schwierig an, wenn man so durch die Straßen geht und sich fragt, ob die Leute sich überhaupt noch dafür interessieren. Aber Fakt ist, dass sie zu unseren Konzerten kommen, und das tun sie, weil sie etwas damit verbinden und schätzen. So generell kann man Musik aber gut mit einer Sportart vergleichen, denn sie verbindet Menschen, sowohl auf der Bühne als auch daneben.

 

Wie wichtig ist /euch das Konzert im Stadttheater?

Das Konzert im Stadttheater bedeutet uns wirklich sehr viel, und wir sehen es auch als große Chance. Es ist unser erstes komplett eigenständiges Konzert und auch in Zusammenarbeit mit einem Veranstalter, dem Kulturring Wunstor, bei dem wir gleichzeitig Teil einer größeren Reihe sind.

 

Habt ihr Rituale?

Wir haben alle unseren eigenen Sachen, die wir immer vor Konzerten machen. So zum Beispiele die individuellen WarmUps oder auch Atemübungen. Das ist, bei mir zumindest, nicht immer komplett gleich, aber vom Prinzip her das Selbe.

 

Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten? Vielleicht auch außerhalb eures Genres.

Wir sind immer offen für Neues! Eine Zusammenarbeit mit Schauspieler und Regisseur wäre beispielsweise sehr interessant, aber auch jegliche andere künstlerische Disziplin.

 

Tragt ihr auf der Bühne eine Rüstung?

Eine „Rüstung“ würde ich das nicht nennen, aber wir haben natürlich unser Outfit. Das Markenzeichen ist sicherlich die pinkfarbige Krawatte, die unsere Farbe beeinflusst. Warum pink? Ganz einfach, da der komplette Boden unserer Hochschule mit pinkem Teppich ausgestattet ist.

 

Schreibt ihr selber Musik und wenn ja, wem spielt ihr sie zuerst vor?

Hier und da arrangieren wir mal was für unsere Besetzung und schauen dann beim Spielen, ob es passt. Wir haben letztes Jahr aber mal mit dem Komponisten Julian Becker zusammengearbeitet, der ein Stück für Orgel und Blechbläserquintett geschrieben hat. Da ist man dann im ständigen Austausch, was geht, was nicht und was sich besser, vielleicht besser anhört als anderes. Im November 2022 gab es dann die Uraufführung im Richard-Jakoby-Saal unserer Hochschule in Hannover.

 

Schenkst du oder wirst du lieber beschenkt?

Wir schenken natürlich am liebsten mit unserer Musik!

 

Auf was darf sich das Wunstorfer Publikum freuen?

Auf ein buntes und farbenreiches Programm rund um das Thema Winter. Viele originale Werke für unsere Besetzung, aber auch schöne und bekannte Arrangements. Begleitet durch unsere Moderation entsteht eine winterliche Geschichte wie aus dem Bilderbuch mit frostigen Schneestürmen, weißen Traumlandschaften bis hin zu der wunderschönen Weihnachtszeit.

Was liebst du an deiner Arbeit?

 

Das Schöne an unserer „Arbeit“ ist, dass man sie gar nicht als „Arbeit“ sieht. Es ist unsere Leidenschaft, die wir ausleben dürfen, und dabei bietet sie einem eine Menge Möglichkeiten, so dass es nie langweilig wird.

 

Habt ihr Vorbilder?

Rein musikalisch natürlich unsere Professoren und große Musiker unserer Zeit. Abseits von Musik interessiere ich mich gerne für Sport. Es gibt so viele Parallelen zwischen ihnen und uns, davon wird man natürlich auch sehr inspiriert.

 

Strebt ihr eine Tour an?

Eine Tour ist natürlich ein großes Ziel und wäre auf kurz oder lang ein Traum, der für uns in Erfüllung gehen würde. Geplant ist aber noch nichts.

 

Das Interview führte Malte Süß von der Auepost Wunstorf

 

 

 

 

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